Reinhard Mey Konzert Mann aus Alemannia Text
Reinhard Mey Konzert Mann aus Alemannia Text


Mann aus Alemannia


Text und Musik: Reinhard Mey

Reinhard Mey, begnadeter und erfolgreicher Komponist und Texter, beschreibt sich in diesem Lied als nicht ganz so erfolgreichen Verwandlungskünstler auf seiner Urlaubsreise in Ägypten.


Als ich im vergang´nen Jahr

Bei den Pyramiden war

Kurz behost im Wüstensand

In der Reisegruppe stand,

Auf dem Kopf zum Schutz vor Hitze

Eine grün beschirmte Mütze,

Hab´ ich, wie die andern hundert

Auch den großen Bau bewundert

Und mich kamerabehängt

Auch auf ein Kamel gezwängt,

Das trug mich geduldig stumm

Zweimal um die Sphinx herum

Doch nach einer Viertelstunde

Wollt´ ich eine dritte Runde,

Völlig seekrank schon vom Wandeln,

Doch im Orient musst du handeln

Oder man wird unbedarft

Gleich als Ausländer entlarvt.

Also feilschte ich massiv

Bis der Kameltreiber rief:

Guck mal, ach nee, sieh´mal da:

Mann aus Alemannia.


Irgendwas verriet mich ganz

Offensichtlich auf Distanz.

Also hab´ ich eingeseh´ n:

Hier muss man subtil vorgeh´ n.

Um sich nicht zu unterscheiden

Hilft oft schon, sich zu verkleiden,

Einen Burnus zu gebrauchen

Und schon kann man untertauchen,

Gar mit einem Fez geziert

Wird man sofort akzeptiert.

Also kauft´ ich kurzer Hand

Kopfbedeckung und Gewand,

Um noch wen´ger aufzufallen,

Trug ich einen Teppichballen

Und ließ mir dazu noch eben

Dolch und Wasserpfeife geben.

Unauffällig wie ich war,

Ging ich schnurstracks zum Basar.

Zögernd stand ich noch davor,

Da grölte schon der Händler Chor:

Guck mal, ach nee, sieh' mal da:

Mann aus Alemannia.


Dieser Fehlschlag nun verdross

Mich doch sehr, und ich beschloss,

Dem Erkennungsphänomen

Ganz bis auf den Grund zu geh'n.

Um mich völlig zu entstellen,

Behängt' ich mich mit Eisbärfellen,

Einem Kimono voller Motten

Und dem Rock von einem Schotten,

Einem grauen Paletot

Und roch wie ein Eskimo.

So gelangt' ich unerkannt

Durch die Altstadt bis zum Strand,

Blieb dort eine Zeit lang stehen,

Um den Fischern zuzusehen.

Netze knüpfen, Boote teeren,

Die musst' ich erst mal belehren,

Wie man so was richtig macht

Und hab' ihnen beigebracht,

Wie man rationell Angeln baut.

Da jubelten die Fischer laut:

Guck mal, ach nee, sieh' mal da:

Mann aus Alemannia.


Dann hab' ich's nochmal versucht

Und die Wüstentour gebucht.

Für zweihundert Mark in bar

Lieh man mir ein Dromedar.

Hab' das Wüstenschiff erklommen

Und bin vom Weg abgekommen,

Traf nicht mal mehr Amerikaner,

Nur noch eine Fata Morgana.

Stundenlang bin ich verwirrt

In der Wüste rumgeirrt,

Dann traf ich eine Person,

„Hallo", rief ich, „Wüstensohn!

Wo geht´s denn hier zur Kantine,

Hör mal alter Beduine,

Bring mich jetzt schnell zur Oase,

Ich hab´ meine Bierdurstphase.

Du bist doch hier eingebor´n:

Wo gibt´s nier `nen Pils und ´nen Korn?

Bisschen dalli, ist das klar",

Da schrie der Mann vor Schrecken starr:

Guck mal, ach nee, sieh' mal da:

Mann aus Alemannia.


Tags darauf trat ich alsdann

Schwer entäuscht den Heimflug an,

So schloss mein Experiment:

Rätselhafter Orient,

Die Versuche, Land und Leute

Zu studier´n war eine Pleite.

Trotz Verkleidung und trotz aller

Listen bin ich aufgefallen,

Überall sofort erkannt

Als ein Mann aus deutschem Land,

Ohne jemals zu versteh´n,

Wo dran die denn das bloß seh´n,

Erst in Frankfurt nach der Landung

Kam die wundersame Wandlung.

Als ich mein Gepäck abholte

Und der Zöllner wissen wollte,

was ich anzumelden hab´

Und ich nicht gleich Antwort gab,

Sagte mir der Mann vom Zoll

Väterlich und mitleidsvoll:

„Du wohl Türke, nix Bla Bla,

Neu in Alemannia?!"



Mann aus


Alemannia


Text und Musik:

Reinhard Mey


Als ich im vergang´nen Jahr

Bei den Pyramiden war

Kurz behost im Wüstensand

In der Reisegruppe stand,

Auf dem Kopf zum Schutz vor Hitze

Eine grün beschirmte Mütze,

Hab´ ich, wie die andern hundert

Auch den großen Bau Bewundert

Und mich kamerabehängt

Auch auf ein Kamel gezwängt,

Das trug mich geduldig stumm

Zweimal um die Sphinx herum

Doch nach einer Viertelstunde

Wollt´ ich eine dritte Runde,

Völlig seekrank schon vom Wandeln,

Doch im Orient musst du handeln

Oder man wird unbedarft

Gleich als Ausländer entlarvt.

Also feilschte ich massiv

Bis der Kameltreiber rief:

Guck mal, ach nee, sieh´mal da:

Mann aus Alemannia.


Irgendwas verriet mich ganz

Offensichtlich auf Distanz.

Also hab´ ich eingeseh´ n:

Hier muss man subtil vorgeh´ n.

Um sich nicht zu unterscheiden

Hilft oft schon, sich zu verkleiden,

Einen Burnus zu gebrauchen

Und schon kann man untertauchen,

Gar mit einem Fez geziert

Wird man sofort akzeptiert.

Also kauft´ ich kurzer Hand

Kopfbedeckung und Gewand,

Um noch wen´ger aufzufallen,

Trug ich einen Teppichballen

Und ließ mir dazu noch eben

Dolch und Wasserpfeife geben.

Unauffällig wie ich war,

Ging ich schnurstracks zum Basar.

Zögernd stand ich noch davor,

Da grölte schon der Händler Chor:

Guck mal, ach nee, sieh' mal da:

Mann aus Alemannia.


Dieser Fehlschlag nun verdross

Mich doch sehr, und ich beschloss,

Dem Erkennungsphänomen

Ganz bis auf den Grund zu geh'n.

Um mich völlig zu entstellen,

Behängt' ich mich mit Eisbärfellen,

Einem Kimono voller Motten

Und dem Rock von einem Schotten,

Einem grauen Paletot

Und roch wie ein Eskimo.

So gelangt' ich unerkannt

Durch die Altstadt bis zum Strand,

Blieb dort eine Zeit lang stehen,

Um den Fischern zuzusehen.

Netze knüpfen, Boote teeren,

Die musst' ich erst mal belehren,

Wie man so was richtig macht

Und hab' ihnen beigebracht,

Wie man rationell Angeln baut.

Da jubelten die Fischer laut:

Guck mal, ach nee, sieh' mal da:

Mann aus Alemannia.


Dann hab' ich's nochmal versucht

Und die Wüstentour gebucht.

Für zweihundert Mark in bar

Lieh man mir ein Dromedar.

Hab' das Wüstenschiff erklommen

Und bin vom Weg abgekommen,

Traf nicht mal mehr Amerikaner,

Nur noch eine Fata Morgana.

Stundenlang bin ich verwirrt

In der Wüste rumgeirrt,

Dann traf ich eine Person,

„Hallo", rief ich, „Wüstensohn!

Wo geht´s denn hier zur Kantine,

Hör mal alter Beduine,

Bring mich jetzt schnell zur Oase,

Ich hab´ meine Bierdurstphase.

Du bist doch hier eingebor´n:

Wo gibt´s nier `nen Pils und ´nen Korn?

Bisschen dalli, ist das klar",

Da schrie der Mann vor Schrecken starr:

Guck mal, ach nee, sieh' mal da:

Mann aus Alemannia.


Tags darauf trat ich alsdann

Schwer entäuscht den Heimflug an,

So schlss mein Experiment:

Rätselhafter Orient,

Die Versuche, Land und Leute

Zu studier´n war eine Pleite.

Trotz Verkleidung und trotz aller

Listen bin ich aufgefallen,

Überall sofort erkannt

Als ein Mann aus deutschem Land,

Ohne jemals zu versteh´n,

Wo dran die denn das bloß seh´n,

Erst in Frankfurt nach der Landung

Kam die wundersame Wandlung.

Als ich mein Gepäck abholte

Und der Zöllner wissen wollte,

was ich anzumelden hab´

Und ich nicht gleich Antwort gab,

Sagte mir der Mann vom Zoll

Väterlich und mitleidsvoll:

„Du wohl Türke, nix Bla Bla,

Neu in Alemannia?!"